In den letzten Jahren hat das Power Threat Meaning Framework (PTMF) – entwickelt von Lucy Johnstone und Mary Boyle für die British Psychological Society – eine neue Diskussion darüber angestoßen, wie wir seelisches Leiden verstehen.
Anstatt es als Krankheit im Individuum zu betrachten, lädt das PTMF dazu ein, Leid als nachvollziehbare Antwort auf Erfahrungen von Macht, Bedrohung und Sinn zu sehen.
Viele Initiativen und Gemeinschaften fühlen wir uns diesem Denken sehr verbunden. Es eröffnet die Möglichkeit, neue Wege des Verstehens und Miteinanders zu entwickeln – jenseits von Diagnose, hin zu Bedeutung, Kontext und Beziehung.
Darum beginnen wir jetzt eine gemeinsame Lese-Reise durch das PTMF – um zu lernen, zu reflektieren und uns vorzustellen, wie diese Ideen in kreativen, gemeinschaftlichen und peer-geleiteten Räumen lebendig werden können.
Unten findest du unseren achtteiligen Leseplan. Jede Einheit widmet sich einem Teil des Buches und enthält Impulsfragen, die zum Nachdenken und Austauschen anregen.
Ob du in einer Gruppe liest, mit Freund*innen oder für dich allein – wir laden dich ein, diese Reise nicht als Studium zu sehen, sondern als Erkundung: als Möglichkeit, neue Formen von Verbindung, Ausdruck und Verständnis zu entdecken.
Lese- und Reflexionsplan
Basierend auf The Power Threat Meaning Framework (Johnstone & Boyle, 2018)
Ziel:
Zu erforschen, wie das PTMF kreative, peer-geleitete und nicht-klinische Wege des Verstehens und Begleitens inspirieren kann.
Sitzung 1 – Einführung & Überblick
Lesen: Zusammenfassung + Einführung (S. 5–18)
Themen: Warum das PTMF entstand, die Abkehr von der Diagnose.
Impulse:
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Was spricht dich besonders an?
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Wie stellt dieses Framework gängige Vorstellungen von Krankheit und Heilung in Frage?
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Wie würde sich ein Raum anfühlen, der ganz auf diesen Ideen beruht?
Sitzung 2 – Die Probleme psychiatrischer Diagnosen
Lesen: Kapitel 1 (S. 19–36)
Themen: Grenzen der Diagnose, Macht der Sprache.
Impulse:
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Wann hast du erlebt, dass Labels Geschichten festschreiben oder verzerren?
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Wie könnte eine Sprache jenseits von Diagnosen klingen?
Sitzung 3 – Philosophische und konzeptuelle Grundlagen
Lesen: Kapitel 2 (S. 37–74)
Themen: Jenseits des DSM-Denkens; Bedeutung, Handlungskraft und Beziehung.
Impulse:
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Was bedeutet „Handlungsmacht“ für dich in einem Heilungsprozess?
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Wie können neue gemeinschaftliche Räume ein anderes Menschenbild verkörpern?
Sitzung 4 – Bedeutung und Erzählung
Lesen: Kapitel 3 (S. 75–91)
Themen: Kultur, Scham und die Geschichten, die wir erzählen.
Impulse:
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Welche Geschichten über seelisches Leiden werden gehört – und welche nicht?
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Wie können Schreiben und Kunst Sinn wiederherstellen?
Sitzung 5 – Der soziale Kontext
Lesen: Kapitel 4 (S. 92–151)
Themen: Einfluss von Armut, Trauma, Geschlecht, Rassismus und Macht.
Impulse:
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Wo siehst du Macht und Bedrohung in deinem Umfeld?
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Warum braucht unsere Gesellschaft neue Formen von Gemeinschaft und Unterstützung?
Sitzung 6 – Die Rolle der Biologie
Lesen: Kapitel 5 (S. 152–181)
Themen: Biologie als Vermittlerin, nicht als Ursache.
Impulse:
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Wie können wir den Körper wertschätzen, ohne Leiden zu pathologisieren?
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Was bedeutet für dich verkörperte Heilung?
Sitzung 7 – Muster im PTMF
Lesen: Kapitel 6 (S. 182–254)
Themen: Macht → Bedrohung → Bedeutung → Reaktion.
Impulse:
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Welche der vier PTMF-Fragen spricht dich am meisten an?
- Wie könnten solche Fragen in kreative oder gemeinschaftliche Räume integriert werden?
Sitzung 8 – Wege nach vorn
Lesen: Kapitel 8 (S. 262–317)
Themen: Vom Denken zum Handeln – Peer-Arbeit, Politik und Gemeinschaft.
Impulse:
- Wie könnten „Wege nach vorn“ für uns als Gemeinschaft aussehen?
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Was könntest du selbst beitragen, um diese Ideen lebendig werden zu lassen?
Nach der Lese-Reise
Zum Abschluss laden wir alle Teilnehmenden ein, etwas Eigenes zu gestalten – inspiriert von den PTMF-Fragen: einen Text, ein Gedicht, ein Bild oder ein Foto.
Diese kreativen Antworten können Teil einer gemeinsamen Erzählung werden – darüber, wie wir beginnen, neue Formen von Verständnis, Ausdruck und Verbindung zu entwickeln.
Wenn du das Original lesen möchtest, findest du die vollständige Publikation hier: https://www.bps.org.uk/member-networks/division-clinical-psychology/power-threat-meaning-framework

